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Randhelfer

Randhelfer

Es gibt sie und jeder, der mal auf einem Fußballplatz war, hat sie schon erlebt.

Die Unterstützer am Rand.

Damit meine ich nicht die Mütter und Väter die die Spiele ihres Nachwuchses mit Begeisterung anschauen.

Ich meine die vierten Unparteiischen die es schon lange Zeit bevor sie in der Bundesliga eingeführt wurden, im Jugendfußball gab.

Sie helfen den Schiedsrichtern ihre Entscheidungen zu treffen, machen Spieler auf ihr Fehlverhalten aufmerksam, sprich sie unterstützen auf ganzer Linie und tragen stets die gesamte Bandbreite ihres Wortschatzes auf der Zunge.

Beginnen wir mit dem Oberbegriff, dieser wird am meisten gerufen:

Schiri !!!

Dieser Oberbegriff wird wie alle folgenden Ausrufe möglichst laut und lang gezogen ausgerufen. Unterkategorien sind dann:

Foul Schiri !!!

Abseits Schiri !!!

Hand Schiri !!!

Um Spieler auf ihr Fehlverhalten aufmerksam zu machen, wählen diese meist männlichen Vertreter Ausrufe wie:

Oh neeeeeeeeeeeee das geht ja gar nicht !!!

Eeeeeeeeeeehhhhhhhhhhhhhhhhh !!!

Oiööööööhhhhhhhhhhhhhhhhhhh !!!

oder einfach nur den Oberbegriff: Schiiiiiiriiiiieeeeeeeeeeee !!!

Zu den Spielregeln gehört dabei, immer schneller rufen, als der Schiedsrichter pfeifen kann.
Man will ihm ja den Weg weisen…

Diese Spezies ist meist auch mit einem ausgezeichneten Weitblick ausgerüstet. Dieses beweisen sie dann auch dem umstehenden Publikum, wenn die Experten über eine Entfernung von 70 Metern eine Abseitsstellung oder ein Foulspiel besser erkennen, als der eigentlich eingesetzte Schiedsrichter, der 3 Meter daneben steht.

Darüber hinaus unterstützen sie die Trainer ihrer Mannschaft sowie auch die der Gäste durch ausgezeichnetes Fachwissen.

’’Warum der Meier oder Müller in der Auswahl spielt, weiß kein Mensch.’’

Unsere Experten waren natürlich früher so eine Mischung aus Beckenbauer und Christiano Ronaldo mit einem Hauch von Maradona.

’’Ich war früher bekannt für meine Pässe aus dem Fußgelenk, über 70 Meter genau auf den Fuß’’.

Diese kamen natürlich ohne Unterbrechung vor.

Kommt dann aus dem Spielgeschehen ein Ball auf unseren Experten zugeflogen, müsste ja eigentlich seine große Stunde schlagen. Die Pille kurz mit der Brust annehmen, 2, 3-mal hoch halten und mit der Hacke zurück ins Feld.

Was hatten wir uns schon auf dieses Kabinettstück gefreut….und wie oft wurden wir enttäuscht.

Meist geht unser Held in Deckung, reißt seinen Regenschirm hoch oder quietscht ein paar Laute wie die Mädchen früher in der Schule beim Völkerball.

Bei einer unserer letzten Partien hatte dann ein Spieler unserer Mannschaft die Nase voll.

Sehr nett fand ich ausgedrückt was er sagte. ’’Würden sie jetzt bitte mal leise sein, wir möchten hier nur Fußball spielen und dabei stören sie nur. Wir brauchen sie hier auch gar nicht’’.

Wie Recht der Junge doch hatte.

 

Elterntipps

...oder: unser Kind muss Nationalspieler werden.          

 

1. Unser Kind ist der beste Spieler in der Mannschaft. Er wird von den anderen nur nicht verstanden. Sorgen Sie dafür, dass jeder in Ihrer Nähe dies mitbekommt. 

2. Legen sie Wert darauf, dass Ihr Schützling sich für den einzig wahren Fussballer hält. 

3. Wenn der Trainer ihn auf die Auswechselbank setzt, ist er ein Dummkopf und dies müssen Sie ihm in deutlichen Ausdrücken klarmachen. 

4. Diskutieren sie kräftig mit dem Schiedsrichter, schließlich sehen Sie an der Linie alles besser als er. 

5. Versprechen Sie Ihrem Kind für jedes Tor 5 Euro, das fördert den Offensivfußball   

 6. Laufen Sie am Spielfeldrand immer auf Ballhöhe, so können Sie das Spiel am besten kontrollieren und die Spieler und den Trainer lautstark auf ihre Fehler aufmerksam machen. 

7. Erklären Sie Ihrem Kind, dass er auf Sie hören soll und nicht auf die unqualifizierten Hinweise des Trainers. 

8. Sie wissen, dass Ihr Jugendtrainer eigentlich ganz nett ist, aber sonst keine Ahnung vom Fußball hat. Machen Sie ihm dies gelegentlich klar und sagen Sie ihm, dass Ihr Kind nie auf die Ersatzbank gehört. 

9. Kümmern Sie sich vor allen Dingen rechtzeitig um den Transfermarkt, denn schließlich sind viele Klubs an Ihrem Kind interessiert und für einen Wechsel gibt es vielleicht einen Trainingsanzug oder einen Ball. Und das ist doch schnell verdientes Geld! 

10. Nehmen Sie dem Trainer keine Arbeit ab, er bekommt sicher genug dafür, dass er seine Freizeit zur Freude ihrer Kinder nutzt. 

...noch besser: 

Werden Sie einfach für ein Jahr Jugendtrainer, das hilft garantiert, alle obigen Fehler zu vermeiden!!